Kapverden – Martinique

Nachdem Larissa bereits auf Portugiesisch berichtet hat, was uns auf der Reise so widerfahren ist, habe ich mich an einem regnerisch-schizophrenen Abend an den Rechner um auf Deutsch zu berichten.

Eigentlich wollten wir am 6.1. losfahren, allerdings haben wir in der letzten Minute davon abgelassen, weil der Wetterbericht bis zu 5m Wellen für die Zeit bis zum 13.1. voraus gesagt hatte – nix für uns Anfänger! Also haben Larissa und ich ein Flugticket von Sal nach Boavista gekauft, um dort Urlaub von der Reise im Apartment und an den Beach Bars zu machen. Die Tage waren sehr entspannenden und wir konnten 30kg Schmutzwäsche in der Wohnung waschen – Freigepäck und Wahl der Unterkunft sei dank. Die Beachbars in Sal Rei sind wirklich sehr entspannend, wer Strandurlaub und Kite/Windsurfen mag, dem sei Boavista zu empfehlen. Cata war solange in London, um Gin-Nachschub zu besorgen.

Beach bar, Boa Vista

Am 16.1. haben wir dann Segel gesetzt. Die ersten Tage waren sehr wellig und windig, so dass wir schnell voran gekommen sind, allerdings auch ziemlich anstrengend für die Crew. Liegen und Dramin halfen uns die Tage zu überstehen. Zum Glück lief Leonora mit Großsegel auf Backbord und ausgebaumter Genua auf Steuerbord sehr pflegeleicht: bei mehr Wind (>20kt) Segel reinrollen, bei wenig (<20kt) Segel wieder raus. Der Windpilot steuerte perfekt die Wellen und Wind aus. Am 20. haben die Wellen etwas nachgelassen (~2m) und Larissa und Cata haben es tatsächlich geschafft einen Kuchen zu backen – obwohl Eier und Mehl sich in der Küche breit machten und Zucker den Boden versüßte.

Am 21. und 22. hatten wir ein wenig mit drehenden Winden zu kämpfen, sodass wir am Abend des 22. das Groß eingerollt haben und auf der Steuerbordseite die Fock heraufgezogen haben. Also die typische Passatbeseglung. Ja, wir waren ein Viertel Knoten schneller und ja, die Segel standen besser. Dafür haben wir nachts quasi nicht geschlafen. Das Rollen war im Vergleich zum vorigen Setup so viel hochfrequenter und intensiver. Also direkt am morgen wieder die Fock runter, zusammenfalten und unter Deck bringen. Als das Groß wieder draußen war, endlich schlafen.

Unterwegs haben wir einige Schiffe der Berufsschifffahrt getroffen, einmal war es notwendig die Industrial Star zu rufen, um sicher zu gehen, dass sie uns gesehen haben und wir Port to Port passieren. Ein super Helfer für die nächtlichen Schichten war Leonoras passiver Radar-Warner. Sobald ein Schiff mit angeschaltetem Radar (alle großen Pötte) in die Nähe kommt (~8nm) piepst das Ding massiv. Also genug Zeit das AIS zu checken, scharf Ausguck zu halten und ggf. zu reagieren. Am 24. kam SY Olena aus der Schweiz in Sichtweise, eine kurze Funkrunde haben uns ein wenig vokale Kommunikation mit der Außenwelt ermöglicht. Normalerweise war die einzige Kommunikation Kurzmails, die wir mit der wahnsinnigen Geschwindigkeit von 45 bis 300 bps (Bits pro Sekunde, das heißt 5 bis 35 Buchstaben pro Sekunde!) empfangen und senden konnten, das kommunikative tägliche Highlight. Danke insbesondere an Álvaro aus Brasilien, der eine kleine Augenentzündung von Cata auf diesem Weg diagnostizierte und “behandelte”.

In der Nacht zum 26.1. wurde es dann ungemütlich: Windgeschwindigkeit 30kt, 40kt in Böen, Regen. Also 2. Reff ins Groß und Genua aufs 2,5te Reff. Leonora rast bis 11kt :-). Wahrscheinlich hat sich ein Stückchen Naht des Großsegels in dieser Nacht aufgetrennt. Nichts besorgniserregendes, das Groß hat bis Martinique gut mitgespielt, der Segelmacher hat sich der Kleinigkeit, wie er sagt, bereits angenommen. Gegen Morgen gab es dann Flaute, so dass wir den Motor für die einzigen 2h Fahrt anwerfen mussten. Ansonsten diente der arme Kerl nur, um 1h/Tag bei 1200 U/Min die Batteriefüllung zu stützen.  40l Diesel für 2300 sm und 7200Wh, dass schafft selbst VW mit Software-Update nicht :-D. Gegen 8 Uhr setzte dann wieder der Wind und Regen ein. Also Motor aus und Segel raus, zumindest ein wenig.

Danach hatten wir wieder beständige Wetterbedingungen, d.h. 2-3m Welle und 20kt Wind. Es gab dann noch zwei Schäden zu beklagen: Am Windpilot hat sich das Servopendel gelöst. Zum Glück haben wir das recht schnell bemerkt, denn er hielt nicht mehr zuverlässig Kurs. Also habe ich ihn hochgeklappt und den E-Pilot aktiviert, was unseren Energie-Bedarf deutlich erhöht hat. Ich denke nicht, dass das Problem am Windpilot gravierend ist, habe die Reparatur aber erst einmal zurück gestellt. Wichtiger ist, dass wir den einen Relingspfosten wieder fest machen. Die Bullentalje hatte ihn umgerissen, nachdem sich die Umlenkrolle von der Klampe gelöst hatte. 4mm dünne Dynamee-Leine war einfach zu wenig! CHRISTOPH!!! Zum Glück hat der Pfosten den Baum gebremst und so schlimmeres verhindert.

Der Letzte Tag war das Highlight, richtig kitschig! Der Morgen startete mit einem schönen Sonnenaufgang und 13-15kt raumschoter Wind, der den ganzen Tag anhielt. Ideale Parasailor-Bedingungen. Das Ding ist wirklich so gut wie die Propaganda verspricht, schnell, gutmütig und fast kein Rollen im Boot! Nur lieber früher als später runter damit, wenn Wolken nahen und der Wind bald auffrischt. Martinique haben wir schon aus 30sm Entfernung gesehen. Und endlich Delfine und davon reichlich 🙂  Am Abend Sonnenuntergang ins Meer, rot und sehnsüchtig. Kurz darauf sagt der rote Mond auf der anderen Seite “Hallo, willkommen in der Karibik”! Zu allem Überfluss konnten wir bis zum Ankerplatz segeln, um das Groß bei Halbwind und Am-Wind zu schonen, nur unter Genua. Gegen Mitternacht haben wir dann den Anker vor Sainte-Anne geworfen und uns einen Gin-Tonic gegönnt!

4 thoughts on “Kapverden – Martinique

  • Jesco

    …hervorragend! Nochmals herzlichen Glückwunsch 🙂 …auch zur ordentlicher Gesichtsbeharrung!
    Bis bald und viele liebe Grüße!

    • leonora

      Die Gesichtsbeharrung ist mittlerweile schon weg. Jetzt hat der Skipper einen dezenten Bart! ⚓️

  • Fabe

    Hört sich fett an. Ich ernenne Euch hiermit zum Senior Seglern!!!
    Bis bald mal am telefon.

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